Das Einzelunternehmen ist die haeufigste und unkomplizierteste Rechtsform in Deutschland. Ob Handwerker, Berater oder Online-Haendler - wer alleine gruendet, startet in den meisten Faellen als Einzelunternehmer. Kein Stammkapital, kein Notar, kein Handelsregistereintrag: Oft genuegt ein einfacher Gewerbeschein, und schon kann es losgehen. Dieser Leitfaden erklaert Ihnen alle wichtigen Schritte, Kosten und Pflichten.
Was ist ein Einzelunternehmen?
Ein Einzelunternehmen ist ein Unternehmen, das von einer einzelnen natuerlichen Person gefuehrt wird. Es ist keine eigenstaendige juristische Person - der Inhaber und das Unternehmen sind rechtlich identisch. Das bedeutet: Sie allein treffen alle Entscheidungen, behalten alle Gewinne und tragen alle Risiken.
Unter dem Begriff Einzelunternehmen fallen drei Varianten:
Die 3 Arten von Einzelunternehmen
Aerzte, Anwaelte, Architekten, Berater, Kuenstler - kein Gewerbeschein noetig, Anmeldung beim Finanzamt genuegt
Gewerbetreibender ohne Handelsregistereintrag, einfache Buchfuehrung (EUER), kein Mindestkapital
Im Handelsregister eingetragen, darf Firma fuehren, unterliegt dem HGB mit doppelter Buchfuehrung
1Kleingewerbetreibender vs. eingetragener Kaufmann (e.K.)
Die meisten Einzelunternehmer starten als Kleingewerbetreibende. Das reicht voellig aus, solange Ihr Geschaeft nach Art und Umfang keinen kaufmaennisch eingerichteten Geschaeftsbetrieb erfordert. Erst wenn Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Komplexitaet des Geschaefts eine gewisse Schwelle ueberschreiten, wird der Eintrag als e.K. relevant.
Kleingewerbetreibender
- Kein Handelsregistereintrag noetig
- Einfache Buchfuehrung (EUER)
- Minimale Gruendungskosten
- Keine Firma - nur Vor- und Nachname
- Weniger professionelles Auftreten
Eingetragener Kaufmann (e.K.)
- Darf eine Firma (Fantasienamen) fuehren
- Professionelleres Auftreten
- Handelsrechtliche Prokura moeglich
- Doppelte Buchfuehrung Pflicht
- Handelsregisterkosten (ca. 200-300 Euro)
2Gewerbeanmeldung Schritt fuer Schritt
Die Gewerbeanmeldung ist fuer die meisten Einzelunternehmer der erste und wichtigste Schritt. Sie erfolgt beim Gewerbeamt Ihrer Stadt oder Gemeinde und kann in vielen Kommunen inzwischen auch online erledigt werden.
So gehen Sie vor:
- Gewerbeamt Ihrer Gemeinde kontaktieren oder Online-Portal aufrufen
- Formular zur Gewerbeanmeldung (GewA 1) ausfuellen
- Personalausweis oder Reisepass vorlegen
- Gebuehr bezahlen (20-60 Euro je nach Kommune)
- Gewerbeschein erhalten - Sie duerfen sofort starten
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vom Finanzamt ausfuellen (kommt automatisch oder ueber ELSTER)
Nach der Anmeldung werden automatisch die IHK (oder HWK bei Handwerksbetrieben), das Finanzamt und die Berufsgenossenschaft informiert. Als Freiberufler genuegt stattdessen die Anmeldung direkt beim Finanzamt.
3Kosten der Gruendung
Der groesste Vorteil des Einzelunternehmens: Die Gruendungskosten sind minimal. Im Gegensatz zur GmbH (ab 1.000 Euro Gruendungskosten plus 25.000 Euro Stammkapital) kommen Sie mit wenigen Euro aus.
Gewerbeschein
Je nach Kommune 20 bis 60 Euro. Das ist die einzige Pflichtausgabe fuer Gewerbetreibende.
Freiberufler
0 Euro - nur Anmeldung beim Finanzamt noetig, kein Gewerbeschein erforderlich.
e.K.-Eintragung
Zusaetzlich 200 bis 300 Euro fuer die Handelsregister-Eintragung und Notarkosten.
Kein Stammkapital
0 Euro Mindestkapital erforderlich - Sie starten mit dem, was Sie haben.
Tipp: Auch wenn die Gruendung fast nichts kostet, sollten Sie ein separates Geschaeftskonto eroeffnen. Viele Banken bieten kostenlose Geschaeftskonten fuer Einzelunternehmer an. Die saubere Trennung von privaten und geschaeftlichen Finanzen erleichtert die Buchfuehrung erheblich.
4Haftung: Das muessen Sie wissen
Die Haftung ist der wichtigste Unterschied zu Kapitalgesellschaften wie GmbH oder UG. Als Einzelunternehmer haften Sie unbeschraenkt und persoenlich mit Ihrem gesamten Privatvermoegen. Es gibt keine Trennung zwischen Geschaefts- und Privatvermoegen.
Das bedeutet konkret: Wenn Ihr Unternehmen Schulden macht, die es nicht begleichen kann, koennen Glaeubiger auf Ihr privates Bankkonto, Ihre Immobilien und andere Vermoegenswerte zugreifen.
Auch ohne Haftungsbeschraenkung koennen Sie Risiken senken: Schliessen Sie eine Betriebshaftpflichtversicherung ab, pruefen Sie eine Vermoegensschadenhaftpflicht (besonders fuer Berater und IT-Dienstleister) und halten Sie Vertraege schriftlich fest. Ab einem gewissen Geschaeftsumfang ist der Wechsel zur GmbH oder UG empfehlenswert.
5Steuern fuer Einzelunternehmer
Als Einzelunternehmer werden Ihre Geschaeftsgewinne ueber Ihre persoenliche Einkommensteuer versteuert. Hinzu kommen je nach Taetigkeit weitere Steuerarten:
- Einkommensteuer: Gilt fuer alle Einzelunternehmer. Der persoenliche Steuersatz steigt progressiv von 14% bis 45%. Freibetrag: 11.784 Euro (2026).
- Gewerbesteuer: Nur fuer Gewerbetreibende (nicht fuer Freiberufler). Freibetrag: 24.500 Euro Jahresgewinn. Der Hebesatz variiert je nach Gemeinde. Die Gewerbesteuer wird teilweise auf die Einkommensteuer angerechnet.
- Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer): Auf Ihre Rechnungen schlagen Sie 19% (bzw. 7% ermaessigt) Umsatzsteuer auf. Diese fuehren Sie an das Finanzamt ab. Vorsteuer aus Einkaufen duerfen Sie gegenrechnen.
- Solidaritaetszuschlag: 5,5% auf die Einkommensteuer, allerdings mit Freigrenze - faellt fuer die meisten Einzelunternehmer nicht mehr an.
6Buchfuehrung: EUER vs. doppelte Buchfuehrung
Die gute Nachricht fuer Kleingewerbetreibende und Freiberufler: Sie duerfen die einfache Einnahmen-Ueberschuss-Rechnung (EUER) nutzen. Das ist deutlich weniger Aufwand als die doppelte Buchfuehrung, die fuer Kaufleute (e.K.) und Kapitalgesellschaften vorgeschrieben ist.
Die EUER ist im Grunde eine Gegenuberstellung von Einnahmen und Ausgaben. Sie muessen keine Bilanz erstellen und kein Inventar fuehren. Die EUER ist zulaessig, solange Sie folgende Grenzen nicht ueberschreiten:
- Umsatz: maximal 800.000 Euro pro Geschaeftsjahr
- Gewinn: maximal 80.000 Euro pro Geschaeftsjahr
Werden diese Grenzen ueberschritten oder tragen Sie sich als e.K. ins Handelsregister ein, sind Sie zur doppelten Buchfuehrung mit Jahresabschluss (Bilanz und GuV) verpflichtet. Ein Steuerberater ist dann dringend empfehlenswert.
7Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG
Die Kleinunternehmerregelung ist eine enorme Vereinfachung fuer Gruender mit geringem Umsatz. Wenn Sie die Voraussetzungen erfuellen, muessen Sie auf Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben.
Voraussetzungen (seit 2025):
- Umsatz im Vorjahr unter 25.000 Euro
- Umsatz im laufenden Jahr voraussichtlich unter 100.000 Euro
Der Vorteil: Weniger Buerokratie und guenstigere Preise fuer Privatkunden (da keine Umsatzsteuer aufgeschlagen wird). Der Nachteil: Sie koennen keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Bei hohen Investitionskosten (z.B. teure Ausruestung) kann es sich lohnen, auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten.
Hinweis: Die Wahl der Kleinunternehmerregelung treffen Sie im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Wenn Sie sich einmal dagegen entscheiden (also freiwillig Umsatzsteuer abfuehren), sind Sie fuer 5 Jahre gebunden. Ueberlegen Sie diese Entscheidung daher gruendlich.
8Wann zur GmbH oder UG wechseln?
Das Einzelunternehmen ist ideal fuer den Start, aber nicht immer die beste Wahl fuer wachsende Unternehmen. Ein Rechtsformwechsel ist sinnvoll, wenn sich Ihre Situation aendert:
- Steigendes Haftungsrisiko: Grosse Auftraege, Mitarbeiter oder teure Betriebsmittel erhoehen das Risiko. Eine GmbH/UG schuetzt Ihr Privatvermoegen.
- Jahresgewinn dauerhaft ueber 60.000 Euro: Ab dieser Schwelle kann die GmbH-Besteuerung (ca. 30% Koerperschafts- und Gewerbesteuer) guenstiger sein als der persoenliche Einkommensteuersatz (bis 45%).
- Investoren oder Partner: Wenn Sie Gesellschafter aufnehmen oder Investoren beteiligen moechten, benoetigen Sie eine Kapitalgesellschaft.
- Professionelles Image: In manchen Branchen wird eine GmbH als serioser wahrgenommen. Geschaeftspartner und Kunden koennten mehr Vertrauen haben.
Die UG (haftungsbeschraenkt) ist eine gute Zwischenloesung: Sie bietet Haftungsbeschraenkung schon ab 1 Euro Stammkapital und kann spaeter in eine GmbH umgewandelt werden.
Fazit
Das Einzelunternehmen ist der einfachste und guenstigste Weg in die Selbstaendigkeit. Mit einem Gewerbeschein fuer 20 bis 60 Euro und ohne Mindestkapital koennen Sie sofort loslegen. Die Kleinunternehmerregelung reduziert den buerokratischen Aufwand zusaetzlich.
Beachten Sie jedoch die unbeschraenkte persoenliche Haftung und planen Sie fruehzeitig, wann ein Wechsel zur GmbH oder UG sinnvoll sein koennte. Eine Betriebshaftpflichtversicherung gehoert von Anfang an zur Grundausstattung.
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Zur Gruendungs-SucheHäufig gestellte Fragen
Was kostet es, ein Einzelunternehmen zu gruenden?
Die Gruendungskosten eines Einzelunternehmens sind sehr gering. Der Gewerbeschein kostet je nach Kommune zwischen 20 und 60 Euro. Notarkosten oder Handelsregistergebuehren fallen in der Regel nicht an - es sei denn, Sie moechten sich als eingetragener Kaufmann (e.K.) registrieren lassen. Freiberufler benoetigen nicht einmal einen Gewerbeschein.
Was ist der Unterschied zwischen Kleingewerbetreibendem und eingetragenem Kaufmann (e.K.)?
Ein Kleingewerbetreibender betreibt ein Gewerbe, das nach Art und Umfang keinen kaufmaennisch eingerichteten Geschaeftsbetrieb erfordert. Er fuehrt eine einfache Einnahmen-Ueberschuss-Rechnung (EUER). Ein eingetragener Kaufmann (e.K.) ist im Handelsregister eingetragen, darf eine Firma fuehren und unterliegt dem Handelsgesetzbuch - einschliesslich der Pflicht zur doppelten Buchfuehrung.
Wie haftet man als Einzelunternehmer?
Als Einzelunternehmer haften Sie unbeschraenkt und persoenlich mit Ihrem gesamten Privatvermoegen. Es gibt keine Trennung zwischen Geschaefts- und Privatvermoegen. Das ist der groesste Nachteil gegenueber einer GmbH oder UG, bei der die Haftung auf das Gesellschaftsvermoegen beschraenkt ist.
Wann sollte man vom Einzelunternehmen zur GmbH oder UG wechseln?
Ein Rechtsformwechsel ist sinnvoll, wenn das Haftungsrisiko steigt (z.B. bei hohen Vertraegen oder Mitarbeitern), der Jahresgewinn dauerhaft ueber 60.000 Euro liegt (steuerliche Vorteile der GmbH) oder Investoren beteiligt werden sollen. Die UG (haftungsbeschraenkt) bietet als Einstieg eine Haftungsbeschraenkung schon ab 1 Euro Stammkapital.